Das verbale Spiel mit rechtsradikalen Themen und der darauffolgenden Empörung kennt man von Alexander Gauland. Erst Ende August löste er einen Eklat mit der Aussage aus, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özuguz (SPD), könne in Anatolien „entsorgt“ werden. Gegen den AfD-Spitzenkandidaten wird seitdem wegen Volksverhetzung ermittelt. Beim sogenannten Kyffhäuser-Treffen in Thüringen hat der 76-Jährige erneut provoziert. Er wollte mit einer „falschen Vergangenheit“ aufräumen, wie er sagte. Seine Rede ist bei Youtube als Video zu finden. „BuzzFeed“ berichtete zuerst darüber. Unter anderem sagte Gauland bei der Veranstaltung: „Wenn die Franzosen zurecht stolz auf ihren Kaiser sind, und die Briten auf Nelson und Churchill, haben wir das Recht, stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen.“

Ausgetragen wurde das Treffen vom „Kreisverband NEM“, deren Chef Björn Höcke ist – bekanntlich „ein Teil der Seele der AfD“, wie Gauland einst der „Bild“-Zeitung erklärte. Die Rede habe Gauland bereits am 2. September gehalten, berichtet „BuzzFeed“. An Sprengkraft hat sie nicht verloren. 

Alexander Gauland und die „falsche Vergangenheit“

Gauland, bekanntlich die Speerspitze des nationalkonservativen Flügels der AfD, kommentierte die deutsche Erinnerungskultur zum Ersten und Zweiten Weltkrieg. Und sagte wörtlich: „Man muss uns diese 12 Jahre nicht mehr vorhalten. Sie betreffen unsere Identität nicht mehr. Und das sprechen wir auch aus.“ Man habe sich mit den Verbrechen auseinandergesetzt, aber „Kein Volk hat so gründlich mit einer falschen Vergangenheit aufgeräumt, wie das Deutsche“, so Gauland. 

Das Newsportal „BuzzFeed“ ordnete die Aussagen bereits mit Kommentaren ein und schrieb: „Gauland verzichtet offenbar bewusst darauf, auszusprechen, was hier gemeint ist: die Nazis. Das Dritte Reich. Hitler, Goebbels, Himmler, Eichmann & Co. Auschwitz. Gaskammern, in denen Säuglinge starben. Der systematische Massenmord an Juden, Homosexuellen, Behinderten, Sinti & Roma, Zivilisten (…) Gauland spricht nicht von einer schockierenden, einer schmerzhaften, brutalen, unmenschlichen oder gewalttätigen Vergangenheit – sondern von einer falschen. In Bezug auf das Dritte Reich eine der schwächsten Vokabeln, die man finden kann.“

„Gauland, Gauland“-Rufe aus dem Publikum

Für die zweifelhaften Formulierungen des AfD-Spitzenkandidaten habe es „Gauland, Gauland“-Rufe und Applaus gegeben. Er addressierte offenbar gezielt die patriotischen Gefühle der Parteianhänger – er habe nicht frei gesprochen, sondern nach einem vorbereiteten Rede-Manuskript, berichtet „BuzzFeed“. Darin stand dann wohl auch die bereits erwähnte Aussage Gaulands: „Wir haben das Recht, stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen.“

Eine Stellungnahme zu seinen Äußerungen hat Gauland auch auf Nachfrage von „BuzzFeed“ bisher nicht abgegeben. 

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