Der gesundheitspolitische Sprecher der Union, Tino Sorge, hat Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) vorgeworfen, in der Debatte um Impfstoffe mit falschen Zahlen zu hantieren. In Deutschland seien derzeit 55,8 Millionen Erwachsene zweimal geimpft,
nur um diese gehe es beim Boostern, schreibt Sorge in einem internen Papier an die Unionsbundestagsfraktion, das ZEIT ONLINE vorliegt. Davon hätten 21,5 Millionen Menschen bereits
eine Boosterimpfung erhalten.

Wenn alle anderen bereits Geimpften
ebenfalls geboostert werden wollten, blieben in den nächsten vier bis sechs Wochen noch gut 34 Millionen
Boosterimpfungen, schreibt Sorge weiter. Allein mit den bereits erfolgten und den noch
geplanten Impfstofflieferungen für Dezember stünden für die
Boosterimpfkampagne über zehn Millionen Dosen BioNTech und 40 Millionen
Dosen Moderna bis zum Jahresende zur Verfügung. Es sei
also kein Problem, alle geimpften Erwachsenen boostern zu können.

Lauterbach hatte zuvor vor einem Engpass bei der Impfstoffversorgung im ersten Quartal 2022 gewarnt. „In der Tat, wir haben zu wenig Impfstoff. Das hat viele überrascht – mich auch“, hatte der SPD-Politiker am Dienstagabend in den ARD-Tagesthemen gesagt. Seinem Amtsvorgänger Jens Spahn (CDU) warf Lauterbach vor, zu wenig Impfstoff beschafft zu haben. Die bestellten Mengen reichten nicht, um die Boosterimpfkampagne zu fahren, sagte der neue Ressortchef auch dem Spiegel. So würden im Januar 2022 nur rund
1,2 Millionen Impfdosen von BioNTech/Pfizer für Boosterimpfungen zur
Verfügung stehen, hieß es. Dies sei etwa ein Sechstel der vorherigen
Menge.

Union verweist auf 16 Millionen geplante Impfdosen

Das Gesundheitsministerium bestätigte eine Lücke bei der Impfstoffversorgung
im ersten Quartal 2022. Bei der Überprüfung der Zahlen sei
herausgekommen, dass in den ersten drei Monaten „deutlich weniger
Impfstoff ausgeliefert werden kann, als das jetzt der Fall ist“, sagte ein Ministeriumssprecher.
Dies liege auch am Vorziehen von Lieferungen auf Dezember.

Der gesundheitspolitische Sprecher der Union entgegnete, im ersten Quartal 2022 würden nach aktuellem Stand über 16 Millionen Dosen
mRNA-Impfstoff pro Monat geliefert. Das sei ausreichend, um bei gut zwölf Millionen ungeimpften Erwachsenen in Deutschland notwendige Erst- und
Zweitimpfungen durchführen zu können. Zudem sähen die bereits
bestehenden Verträge vor, dass Deutschland im kommenden Jahr 160
Millionen Dosen BioNTech erhalten könne. Das beinhalte auch an Virusvarianten angepasste Impfstoffe.

Lauterbachs Behauptungen seien ein „durchsichtiges politisches Manöver“
mit dem Ziel, „eine Kampagne gegen uns zu starten“, schrieb Sorge weiter. Dies verunsichere
Bürger und Bürgerinnen. „Karl Lauterbach ruft Feuer, um dann
Feuerwehr zu spielen – obwohl er weiß, dass es gar nicht brennt“, sagte Sorge weiter.

Die neue Bundesregierung plant allerdings, im kommenden Jahr eine allgemeine
Impfpflicht einzuführen. Außerdem können mittlerweile auch Kinder ab fünf
Jahren geimpft werden. Wie sich dies auf die Versorgung mit Impfstoffen
auswirken könnte, sagte Sorge nicht.

Der Sprecher des Gesundheitsministeriums wies unterdessen Berichte des Magazins Business Insider zurück, wonach im ersten Quartal 60 Millionen Dosen fehlten. Diese Zahl sei „definitiv falsch“. Die Frage, woran der Mangel liege, wollte er nicht beantworten. Er räumte lediglich ein, dass die Knappheit auch damit zusammenhänge, dass Impfstofflieferungen in diesem Jahr vorgezogen worden seien. 

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